Dienstag, 10. Mai 2016

Digitalisierung der Finanzbranche: Stadt Zug wird weltweit zum Bitcoin-Pionier



Als international erste staatliche Behörde akzeptiert die Stadt Zug eine Kryptowährung.
 
Die polnische Regierung hat vor kurzem eine Arbeitsgruppe eingesetzt, um zu prüfen, wie die Bitcoin- und Blockchain-Technologie für die Digitalisierung von staatlichen Diensten eingesetzt werden kann. Auch andere Staaten befassen sich intensiv und analytisch mit den Auswirkungen dieser Verschlüsselungs-Technologie. Wesentlich kürzer sind bei diesem heiss diskutierten Thema die Entscheidungswege in der Stadt Zug.
Dort lud die Regierung Ende April einen Studenten als Experten ein, wie Stadtpräsident Dolfi Müller (sp.) erzählt. Der junge Fachmann erklärte den in technischen Fragen nicht so versierten Politikern die Mechanismen hinter den neuen Kryptowährungen. Daraufhin eröffnete der Stadtschreiber privat ein Bitcoin-Konto und fand die Sache interessant. Anfang Mai fiel der Entscheid: Ab 1. Juli können Gebühren bis zu 200 Franken direkt am Schalter der Einwohnerkontrolle mit Bitcoins beglichen werden. Das Pilotprojekt ist bis Ende 2016 befristet, anschliessend wollen die Verantwortlichen Bilanz ziehen.

Kein Zufall
 
Ohne es zu wollen, schreibt die kleine Stadt Zug damit Geschichte. «Das ist weltweit das erste Mal, dass auf staatlicher Ebene Bitcoins als Zahlungsmittel akzeptiert werden», sagt Niklas Nikolajsen. Der gebürtige Däne ist Geschäftsführer und Mitbegründer der Bitcoin Suisse AG. Sein Startup-Unternehmen kauft und verkauft die Kryptowährung. Die in der Schweiz kaum wahrgenommene Pioniertat war denn auch in den letzten Tagen das grosse Thema in den einschlägigen Foren der digitalen Finanzbranche.

Es ist alles andere als ein Zufall, dass ausgerechnet Zug bei der staatlichen Anerkennung dieser kontrovers diskutierten Technologie den Eisbrecher spielt. In den letzten zwei bis drei Jahren haben sich mehr als 15 Firmen aus dem Bereich der digitalisierten Finanzdienstleistungen und Blockchain im Zentralschweizer Kanton angesiedelt. Darunter befindet sich auch die Bitcoin Suisse AG, die in Baar sitzt, keine fünf Kilometer Luftlinie vom Zuger Stadthaus entfernt.

Nicht ohne Stolz sprechen Wirtschaftsvertreter, aber auch Politiker in Anlehnung an das Silicon Valley in Kalifornien vom Crypto Valley am Zugersee. «Im Rahmen unserer Strategie Zug 2035 wollen wir frühzeitig Erfahrungen mit solchen Technologien sammeln», begründet Stadtpräsident Müller seine offensive Haltung. Wenn Zug in den kommenden Jahren zur Smart City werden wolle, sei gerade im Bereich der Finanzdienstleistungen Offenheit nötig, bekräftigt Müller. Luzius Meisser, Präsident der Dachorganisation Bitcoin Association Switzerland, spricht denn auch von einem starken Marketing-Signal: «Zug gibt damit der Branche zu verstehen, dass sie hier willkommen ist.» Dies sei wichtig, auch wenn das Bedürfnis, Bitcoins für Zahlungen im staatlichen Umfeld einzusetzen, gegenwärtig noch nicht allzu gross sein dürfte.

Doch längst nicht alle in Zug teilen die Euphorie. Es gibt auch heftige Kritik am Vorpreschen der Stadtzuger Behörden. Bevor der erste Zuger überhaupt daran denken konnte, seinen Heimatschein mit Bitcoins zu bezahlen, hob die SVP bereits den Mahnfinger. «Es ist höchst bedenklich, dass eine staatliche Behörde Bitcoins akzeptiert. Denn es handelt sich nicht um eine sichere Währung», meint der Zuger SVP-Gemeinderat Gregor Bruhin warnend. Tatsächlich häuften sich in letzter Zeit die Anzeichen, dass die Kryptowährung von ihrer Konzeption her und technisch an Grenzen stösst. Auch die anhaltenden Diskussionen, wer die Kryptowährung erfunden habe, tragen nicht gerade zur Vertrauensbildung bei.
 

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